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Unterwegs auf dem Klassiker

Bewertung

5-Sterne Radweg "Liebliches Taubertal - Der Klassiker"

Details

Karin Reichert-Frei

14.10.2018 · Community
Mal soll ja immer mit dem Positiven anfangen und man muss sagen: es ist wirklich eine sehr schöne Tour! Anders als bei der Altmühl z.B. bleibt die Tauber bis zur Mündung sehr grün und idyllisch. Aaaaber... Das mit den Höhenmetern ist ja offensichtlich anderen auch schon aufgefallen. Wir sind oldschool völlig unelektrisiert dafür aber mit vollem Campinggepäck unterwegs. Und anders als mein Mann, der regelmäßig auf dem Rad sitzt und auch mal 100km auf dem Rennrad abreißt, bin ich eher untrainiert (bis auf ein bißchen Sport im Studio 1x die Woche). Und da empfiehlt es sich UNBEDINGT!!! sich das Höhenprofil im Detail anzusehen!!!! Anscheinend fahren die Leute, die so eine Tour beschreiben voll durchtrainiert und ohne Gepäck. Die Tour ist auf jeden Fall von Anfang an gespickt mit kurzen aber für meine Otto-Normalfrau-Verhältnisse recht knackigen Anstiegen, z.B. auch immer wieder hoch zu den DB-Haltepunkten. Die haben mich schon in der ersten Etappe richtig Körnchen gekostet (20kg Gepäck). Und auch mein Mann mit dem Gespann (40kg) tut sich da schon nicht mehr so leicht. Der hat natürlich aber kein Problem damit. Auf der dritten Etappe habe ich mich dann der Illusion hingegeben, daß es nun nur noch gemütlich bis Wertheim rollt. Bis man ohne jede Vorwarnung vor einem Schild steht: Steigung 10% (in Worten: zehn!). Wer da nicht früh genug geschaltet hat, hat schon ein Problem. Und das ist für meinen Mann mit dem Gespann auch schon durchaus grenzwertig. Wobei er keine Chance hat, es auf so einer Steigung zu schieben, da er einfach mit den Füßen nicht genug Reibung erzeugen kann. Und so geht es dann weiter!!! OK. 10% steht nirgendwo mehr dran. Aber wenn man sich die feinen Zacken im Höhenprofil anschaut, weiß man mehr... Die Einheimischen in Wertheim später wissen auf jeden Fall offensichtlich genau Bescheid. Man muss also - wie immer! - genau die Tour anschauen und nicht nur die Tourismusverband-Prosa lesen! Das trifft auch auf die Übernachtungsmöglichkeiten zu! Anscheinend gibt es für den Tourismusverband nur Leute, die in Gasthöfen o.ä. übernachten. Anders als in Dänemark/Schottland oder ähnlichen Ländern existieren Leute mit Zelt offensichtlich in ihrem Bewußtsein nicht. Denn die Etappen sind ja sehr gut gewählt. Nur hat man in Tauberbischhofseim ein Problem: Es gibt ÜBERHAUPT KEINE ÜBERNACHTUNGSMÖGLICHKEIT für ZELTWANDERER!!! Es gibt einen kirchlichen Zeltplatz, der nimmt aber nur komplette Gruppen. Ansonsten: Fehlanzeige. Kein Bauer mit Minicamping, nichtmal ein Übernachten im Heu. Einfach nichts. Wir sind eh passionierte Wildcamper. Anders als in Dänemark, wo es über 1000 offizielle sog. Naturlagerplätze gibt (https://www.visitdenmark.de/de/daenemark/unterkunfte/gunstig-ubernachten-danemark) hat dieser Gedanke in Deutschland anscheinend noch nicht Fuß gefaßt. Wir haben mit Leuten gesprochen an einem Biergarten, die überhaupt nicht abgeneigt wären, Leute auf ihrer Wiese zelten zu lassen. Es gibt aber in Deutschland so ein dichtes Gestrüpp von Auflagen, Bestimmungen u.a.m., daß sie von vornherein das Handtuch geworfen haben. Das kennen wir aber von der Altmühl anders, die wir letztes Jahre gepaddelt haben. Dort hat der Nationalpark selbst Zeltplätze eingerichtet nur für Zeltwanderer. Da steht ein Baustellenclo und fertig. Mehr braucht man als Wanderer nicht. Nun noch die "Touristenverbandprosa" von wegen Zugverbindung!!! Die Tour startet ja in Rothenburg. Wider Erwarten übrigens ist das Städtchen wunderschön! (Wir hatten so eine Art Disneyland befürchtet, das ist überhaupt nicht der Fall.) Die Etappe ist auch wunderschön! Sehr sehenswert übrigens die Kirche in Detwang, leider nur nachmittags geöffnet (d.h., da ist man normalerweise schon weiter weg, wenn man morgens startet). Detwang hat übrigens zwei Campingplätze. "Tauberromantik" hat einen eigenen Zeltplatz und dort konnten wir sogar offiziell ein Feuer machen! (Nachts schon um die 4-2 Grad...) Was allerdings auch nicht explizit erwähnt wird: die Entfernung nach Rothenburg ist Luftlinie minimal. Man tut aber gut daran, sich das Ganze auf google anzuschauen, denn es liegt eine wirklich knackige, langgezogene Steigung zwischen der Tauber und Rothenburg, das nunmal geschützt oben auf dem Berg liegt. Nun aber zurück zur "Tourismusverbandprosa": Es gibt KEINE ZUGVERBINDUNG zwischen Wertheim und Rothenburg!!! Die berühmten Fahrradzüge fahren nur bis Creglingen. Von Rothenburg aus geht es mit dem Rad eigentlich gar nicht zurück. Denn die kürzeste Verbindung (2,5 Stunden) funktioniert nur mit dem Bus von Rothenburg nach Würzburg, von da mit dem Zug (noch einmal umsteigen) nach Rothenburg. Irgendwie wird da also - bewußt? - eine Fehlinformation verbreitet. Das hat uns jetzt nicht wirklich gestört. Als Vielreisender ist man eigentlich auch daran gewöhnt. Aber man muss halt deutlich mehr Zeit mitbringen!!! Wir haben in Wertheim auf dem Azur-Camping übernachtet - sehr gut, sehr freundlich, direkt am Main! - und uns einen ganzen Tag genommen um das Auto aus Rothenburg zu holen. Dort gibt es übrigens direkt neben dem Bahnhof einen Parkplatz, der sogar nichts kostet. (Und ein Kaufland gibt es auch, wo man sich sehr gut verproviantieren kann.) Dann haben wir nochmal übernachtet und dann sind wir gemütlich zurück ins Ruhrgebiet. Ich gebe der Tour jetzt trotz allem 5 Sterne, denn sie ist wirklich schön! Aber an der Infrastruktur könnte der Landkreis noch arbeiten.
Gemacht am 26.09.2018

outdooractive.com User
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